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Ergotherapie

 

Wesentliches Merkmal der Ergotherapie ist die Handlungsorientierung in der Anbahnung und Entwicklung von verloren gegangenen oder nicht vorhandenen Fähigkeiten im Alltag und lebenspraktischen Bereichen.

In der Ergotherapie wird auf der Grundlage verschiedener Konzepte, wie der „sensorischen Integrationstherapie" nach Jean Ayres, dem Ansatz der visuellen Förderung nach Marianne Frostig und der auditiven Wahrnehmung nach dem „Warnke-Verfahren" gearbeitet. Die Förderung findet in Einzelsituationen statt.

Behandelt werden Schüler/Innen mit eingeschränkten Funktionen der Sensomotorik, der sensorischen Integration, der Wahrnehmungsfähigkeit und –verarbeitung, der visuellen und auditiven Wahrnehmung. Des Weiteren stehen die Handlungsplanung sowie deren neurophysiologischen Voraussetzungen, die für einen Lernerfolg im Lesen und Schreiben erforderlich sind, im Blickpunkt der Ergotherapie.

Nach einer differenzierten Befunderhebung können Bewegung (funktionelle Therapie: Förderung der Grob- und Feinmotorik, Koordination der gesamten Bewegungsabläufe, Graphomotorik), Spiel (Perzeptionstraining in den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen), Verrichtungen des täglichen Lebens (Hilfestellung zur größtmöglichen Selbständigkeit, Hilfsmittelversorgung mit technischen Geräten: Talker und dynamische Kommunikationsgeräte) als  auch handwerkliche Tätigkeiten Inhalt der Behandlung sein.

 

Ziele der Ergotherapie

Die Ergotherapeutinnen haben sich zum Ziel gesetzt den/die SchülerIn in seine/ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen, sodass er/sie seine/ihre größtmögliche Selbständigkeit entwickelt und anwenden kann. Dabei wird der/die SchülerIn in seiner/ihrer Gesamtpersönlichkeit wahrgenommen.

Spezifische Zielsetzungen sind:

  • Entwicklung und Lebensqualität des/der SchülerIn begleiten
  • Persönlichkeit des/der SchülerIn stärken
  • Freude an Bewegung vermitteln
  • Förderung von neurophysiologischen Bewegungs- und Handlungskompetenzen
  • Förderung vorhandener Fähigkeiten hinsichtlich der Anbahnung von Lernfähigkeiten
  • Anbahnung von graphomotorischen Bewegungsvoraussetzungen zum Schreiben
  • Unterstützung der psychosozialen Integration in den Schulalltag
  • Unterstützung bei der Informationsverarbeitung
  • Einrichten und Gestalten eines ergonomischen Arbeitsplatzes
  • Technische Schreibhilfen, PC mit individuell angepassten Ansteuerungen
  • Erarbeitung von Kommunikationshilfen für nicht sprechende Kinder, sog. „Unterstützte Kommunikation" ggf. Kommunikationsbücher und Talkern
  • Respektvoller und menschenwürdiger Umgang mit schwerkranken SchülernInnen

 

Die ergotherapeutische Behandlung orientiert sich am jeweiligen Entwicklung- und Leistungsstand des/der SchülerIn, um Über- bzw. Unterforderung zu vermeiden. Alle in der Behandlung angebotenen Aktivitäten sollen für den/die SchülerIn von Bedeutung sein. Dem/Der SchülerIn wird ein Umfeld zur Verfügung gestellt, indem er/sie agieren kann und das Tempo mitbestimmt. Dabei verstehen wir uns als Begleiter im sich immer veränderten Prozess der Entwicklung des/der SchülerIn. Zur besseren Umsetzung der Therapieinhalte in der Schule und zu Hause arbeiten wir alltagsorientiert.

 

So kann Ergotherapie im Alltag aussehen:

Wir versuchen immer möglichst viele verschiedene Sinnesbereiche anzusprechen, z. B. indem der/die SchülerIn Rollbrett fährt, eine schiefe Ebene hinuntersaust, in einer Hängematte schaukelt, klettert um dort viele Körpererfahrungen zusammeln oder im Ton-Matschraum mit verschiedenen Materialien umzugehen lernt (Kleisterfarbe, Rasierschaum,Creme). Motivation ist das Schlüsselwort für eine erfolgreiche Einheit. SchülerInnen lernen und behalten Dinge, die ihnen Spaß  machen und sinnvoll erscheinen. So ist ein Rollbrett ein vielseitig einsetzbares Therapiegerät auf ihm kann der/die SchülerIn in verschiedenen Positionen durch den Therapieraum fahren und so spielerisch seine/ ihre Raumerfahrung, Haltung und  Motorik verbessern. Die Hängematte ist das klassische Mittel für die Vermittlung vestibulärer Reize in der „Sensorischen Integrationstherapie". Hier werden Gleichgewichtsschulung und Erwerb von Tiefensensibilität kombiniert. Die SchülerInnen spüren sich dadurch besser und können sich selbst während des Alltags besser steuern. Aktive SchülerInnen werden etwas ruhiger, antriebsschwache SchülerInnen werden munterer. 

Sensorische Integration (SI) ist der Prozess des Ordnens und Verarbeitens sinnlicher Eindrücke (sensorischer Inputs). Dadurch kann das Gehirn eine brauchbare Körperreaktion und ebenso sinnvolle Wahrnehmungen, Gefühlsreaktionen und Gedanken erzeugen. Die sensorische Integration sortiert, ordnet und vereint alle sinnlichen Eindrücke des/der Schülers/Schülerin zu einer vollständigen und umfassenden Hirnfunktion. In dem Moment, wo die Hirnfunktion vollständig und ausgewogen abläuft, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung. Dann ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe, und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

Der Schwerpunkt der SI-Therapie liegt auf der Vermittlung und Verarbeitung von vestibulären, propriozeptiven und taktilen Reizen.

Mit Unterstützung der Therapeutin erfährt der/die SchülerIn Erfolg und kann somit Selbstbewusstsein und Selbständigkeit entwickeln. Erfolge und eine spielerische Atmosphäre sind nötig, um eine Motivation zu erreichen. Daher ist die SI-Therapie stets in ein Spielthema eingebettet. Der/die SchülerIn lernt „spielend" und die Erfolgserlebnisse, die er/sie dabei hat, bewirken eine hohe Motivation. Ein  motivierter, interessierter Schüler hat deutlich mehr Lernerfolge. Die Therapie ist dem individuellen Entwicklungsstand angepasst und richtet sich nach den Bedürfnissen des/der  Schülers/Schülerin.

Zur Ergotherapie gehört auch das Handwerk (Holz-, Peddigrohr-, Tonarbeiten und gestalterische Techniken). Hierbei steht nicht das Erlernen einer handwerklichen Tätigkeit im Vordergrund, sondern sie ist als ein Medium zu sehen, durch welches der/die SchülerIn gefördert wird. SchülerInnen lernen dadurch Arbeitsplatzgestaltung, Handlungsplanung, Zeiteinteilung und Arbeitsstruktur. Durch das handwerkliche Arbeiten in Kleingruppen werden hier besonders für SchülerInnen mit herausforderndem Verhalten Möglichkeiten geschaffen, das soziale Miteinander einzuüben. Frustrationstoleranz, Ausdauer, Konzentration und eine realitätsnahe Selbstwahrnehmung werden entwickelt. Durch das Arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien wird die Wahrnehmung gefördert. „Nur wenn wahrgenommen wird, können sich die entsprechenden funktionellen Hirnareale ausbilden und entwickeln."

Weiterer Bestandteil der Ergotherapie ist der Erwerb lebenspraktischer Tätigkeiten. Die Küche und der Hauswirtschaftsraum werden für das Training des täglichen Lebens genutzt. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Dienstleistungen im Bereich Nahrungsmittel bieten vielfältige Möglichkeiten ergotherapeutische Ziele zu erreichen. Über besondere inhaltliche und organisatorische Maßnahmen unterstützen die Ergotherapeutinnen auch das Werkstufenprojekt. Hier spielt der handlungsorientierte Unterricht mit unterschiedlich ausgeprägten Real-Erfahrungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.  Die SchülerInnen werden aufgefordert entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten aus ihrer bisherigen Schulzeit in realitätsnahen Vorhaben (z.B. Pausenkiosk) anzuwenden und auszudifferenzieren. Sie erhalten dabei die Chance, sich auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus zu erproben, persönliche Kompetenzprofile kennenzulernen und auf dieser Grundlage gezielte Entscheidungen über nachschulische Wege zu treffen. Hierzu gehört zudem das Training zur Verbesserung der Mobilität (Busfahrtraining etc.), der Selbstständigkeit, der Orientierung, der Zukunftsplanung (z.B. Wohnen, Freizeitgestaltung, Partnerschaft).